Was Migrant*innen im Altenburger Land bewegt

Gesprächsrunde

Im Rahmen der "Wochen der Demokratie im Altenburger Land" saßen gestern Abend knapp 20 Leuten, davon 3/4 Migrant*innen, in unserem Grünen Salon und haben fast drei Stunden über die Themen diskutiert, die sie aktuell bewegen. Zentrale Frage der überwiegend ukrainischen Teilnehmer*innen: "Wie geht es mit unserem Status ab März 2027 weiter?"

Diese Frage stellen zunehmend auch deutsche Arbeitgeber*innen, die bereit sind, ihnen eine feste Stelle oder einen Ausbildungsplatz zu geben. Erschreckend: Von den durchweg studierten Migrant*innen in der Runde arbeitet nur eine einzige – mit Masterabschluss mit Auszeichnung und dank Unterstützung durch Grünen-Pressesprecher Torsten Grieger – seit dem Schuljahr 2023/2024 als Musiklehrerin an einem Altenburger Gymnasium. Alle anderen, durchgängig hochmotiviert und willens, endlich auf finanziell eigenen Beinen zu stehen, schlagen sich mit Niedrig(st)lohnstellen, oft noch dazu nur in Teilzeit, durch. Und stehen daher nach wie vor auch beim Jobcenter auf der Payroll. Was sie zunehmend als extrem belastend empfinden.

Dass eine studierte Apothekerin in der Fabrik als Verpackerin am Band steht, ist ebenso unbefriedigend, wie die Perspektivlosigkeit einer Rechtsanwältin, die keinen Bock mehr hat, in Teilzeit als Putzhilfe arbeiten gehen zu müssen. Sie möchte gerne einen sinnvollen Vollzeitjob machen – den ihr aber kein Arbeitgeber gibt – unter Verweis, dass ja nicht klar ist, wie es 2027 weitergeht.

Dass mittlerweile nicht nur die Integrationskurse gestrichen sind, sondern die höheren, für die Anerkennung von Studienabschlüssen aber unbedingt erforderlichen Sprachkurse mittlerweile von den Migrant*innen selber zu tragen sind, macht deutlich, dass die schwarz-rote Bundesregierung immer mehr auf Vergrämung von Migrant*innen setzt – statt ihre Integration zu fördern. Was gegenüber den Ukrainer*innen gleich in mehrfacher Hinsicht besonders schwer wiegt. Nicht nur, dass ihr Land, die Ukraine, im Zweiten Weltkrieg am meisten unter den Deutschen gelitten hat (dazu unser Link zu einem Vortrag des renommierten Historikers Timothy Snyder). Sie verteidigt seit der russischen Vollinvasion am 24. Februar 2022 heldenhaft nicht nur ihre, sondern auch unsere Demokratie und Freiheit, die Demokratie und Freiheit ganz Europas.

Vor diesem Hintergrund war es ein sehr informativer, zugleich aber auch ein – wie erwartet – sehr ernüchternder Abend. Dass es, wie Bündnis 90/Die Grünen-Mitglied und Integrationsberater Volker Liebelt berichtete, unter der schwarz-roten Bundesregierung auch bei den mit Integration befassten Einrichtungen zu massiven Einschnitten gekommen ist, rundet das traurige Bild der aktuellen deutschen Migrationspolitik leider "geradezu perfekt" ab. Alles in allem also ein Abend, der ziemlich nachdenklich gemacht hat.


Externer Link

Vortrag von Historiker Timothy Snyder zur historischen Verantwortung Deutschlands für die Ukraine



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