25.06.2014

Rositzer Altlasten

 
Anja Siegesmund, Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Thüringer Landtag, moderierte am Montag, den 23. Juni 2014 die Veranstaltung "Sanierung von Altlasten und Schutz natürlicher Ressourcen" im Kulturhaus Rositz.

Mit Lothar Schumann, dem Sprecher der Bürgerinitiative Rositz/Schelditz, und Dr. Alexander Borowski, dem Projektleiter des ENL-Projektes "Haselbacher Teiche", diskutierten die rund 50 Teilnehmer*innen über die aktuelle Altlastenproblematik in Rositz.

Als die Sanierung 1994 in Rositz begann, hatten viele Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Doch daraus ist nichts geworden, erläuterte Herr Schumann. Obwohl 1998 erstmals bei Baumaßnahmen die Bodenkontamination entdeckt wurde, ist Schelditz nicht in das Altlastenkataster aufgenommen worden. Rund 10.000 m² Erdreich sind unterirdisch mit Schadstoffen (Benzol, PAK, Phenole) verseucht. Mit dem Hochwasser von 2002 ist die Kontamination erstmals nach oben getreten und seit einigen Jahren verschärft sich das Problem mit dem Grundwasseranstieg durch das Wegfallen der Wasserhaltung in den Braunkohletagebauen. Darüber hinaus zeigte Herr Schumann an Hand von Messergebnissen, dass eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit eindeutig vorliegt. Dennoch ist bis heute keine Sanierung der Umweltschäden in Schelditz erfolgt. Zu lange wurde zu viel verschwiegen, kritisierte Schumann.

Dr. Alexander Borowski erklärte, dass bei der Bombardierung des Benzintanklagers durch die Alliierten in 1945 rund drei Millionen Liter Benzin und Dieselöl ins Erdreich geflossen sind. Über den Gerstenbach hat sich die Kontamination innerhalb von 70 Jahren weiter verbreitet. So zeigte eine Schlammuntersuchung der Haselbacher Teiche vom Naturkundemuseum Mauritianum von 2012, das der Schlamm extrem stark mit rositztypischen Schadstoffen belastet ist. Auch infolge der zwei Hochwasser in 2002 und 2013 hat sich die Kontamination in der gesamten Gerstenbachaue sehr stark verteilt. Landwirtschaft in dieser Region ist daher kritisch zu bewerten, so Dr. Borowski.

In der offenen Fragerunde debattierten die Anwesenden über den Unterschied zwischen Sanierung und Gefahrenabwehr. Alle waren sich dabei einig, dass es keine einfache Lösung gibt. Abpumpen von kontaminiertem Kellerwasser sei jedoch kontraproduktiv und nicht nachhaltig. Zudem äusserte ein Bürger: "Das Problem ist nicht so groß, dass man es nicht lösen kann. Aber in Thüringen findet sich keiner, der es anpackt." Ein andere Bürger war der Meinung, man müsse handeln, bevor die Kontamination Leipzig erreiche.

Anja Siegesmund kritisierte in ihrem Abschlusswort, dass es grundsätzlich an Transparenz im Umweltministerium mangelt. Parlamentarier*innen hätten es deshalb sehr schwer, ein Thema zu überblicken. Es sei daher von größter Relevanz, dass die Bürger*innen von Rositz Transparenz, Verantwortung und Information einfordern.

Im Anschluss an die Veranstaltung machten sich zirka 20 Teilnehmer*innen zu Fuß auf nach Schelditz, um sich im Keller des ehemaligen HO-Marktes von dem dramatischem Ausmaß der Kontamination selbst ein Bild zu machen. Der Gestank und die mit Kontamination vollgezogenen Wände machte alle betroffen und fassungslos.

Anja Siegesmund machte dabei deutlich, dass der ungesicherte, aber definitiv kontaminierte HO-Markt, eine Gefahr insbesondere für Kinder sei. "Das Mindeste ist, dass es zügig eine Absperrung gibt, damit die Kinder nicht in hochgradig belasteten Wasser spielen."



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